Yannick Kreppein ist seit 2024 als Business Engineer für KI-Anwendungen und Doktorand im Projekt AI TRAQC tätig. In seiner Promotion forscht er zu RAG-Systemen und Multi-Agenten-Architekturen mit dem Ziel, KI-Lösungen zu entwickeln, die direkt in der Unternehmenspraxis wirken.
1. Welche Rolle übernimmst du in deinem Teilvorhaben und wie trägst du zum Projekt bei?
Yannick Kreppein: Ich bin als Business Engineer für KI-Anwendungen in TVH 4 tätig und ehrlich gesagt genau da, wo ich sein möchte. Mein Alltag ist eine Mischung aus technischer Entwicklung und direkter Arbeit mit den Unternehmen. Ich führe KI-Use-Case-Identifizierungsworkshops durch, helfe beim Aufbau der AI TRAQC Community und bin eng in den Austausch mit den KMU eingebunden. Ein wichtiger Teil meiner Arbeit ist außerdem die Entwicklung von Prototypen – mit dem klaren Ziel herauszufinden, wo sich in bestehenden Workflows geeignete Integrationspunkte für KI finden lassen und wie wir dort tatsächlichen Mehrwert schaffen können. Parallel dazu fließen die Erkenntnisse aus meiner Promotion direkt ins Projekt – ich forsche zu RAG-Systemen und Multi-Agenten-Architekturen und beschäftige mich konkret mit der Frage, wie man diese Technologien so in Anwendungen überführt, dass sie wirklich auf die „Straße“ kommen.
2. Wie erlebst du die Zusammenarbeit mit den KMU? Welche Bedürfnisse oder Herausforderungen hast du bei der Arbeit mit ihnen festgestellt?
Yannick Kreppein: Die Zusammenarbeit ist intensiv und lehrreich zugleich. Durch den engen Austausch kann ich die Pain Points der Unternehmen mittlerweile sehr gut nachvollziehen – und genau an diesen Punkten knüpfen wir an. Was mir immer wieder auffällt: Es fehlen oft konkrete Ansatzpunkte, wie KI-Lösungen tatsächlich in bestehende Workflows integriert werden können, auf eine Art, die wirklich Effizienz und Mehrwert bringt – und nicht nur auf dem Papier gut klingt. Wir versuchen deshalb gemeinsam mit den Unternehmen zu Lösungen zu kommen, die direkt wirken. Ein wichtiges Thema ist dabei auch der Fachkräftemangel: Er wächst, und damit wächst auch der Druck auf Unternehmen, schlauer zu arbeiten. KI kann dabei helfen, Kapazitäten freizusetzen, die Unternehmen wieder für ihr eigentliches Kernhandwerk nutzen können – und bürokratische Stolpersteine erheblich zu reduzieren.
3. Welche Technologien oder KI-Anwendungen findest du besonders vielversprechend, um KMU bei der Digitalisierung und Effizienzsteigerung zu unterstützen?
Yannick Kreppein: Mich faszinieren besonders Ansätze, die vollständig lokal betrieben werden können – losgelöst von den großen Tech-Konzernen. In Kombination mit ausgereiften Open-Source-Lösungen lässt sich ein vollständig eigenes KI-Ökosystem aufbauen, mit Datensouveränität auf höchstem Niveau. Teure Abhängigkeiten können so abgelöst, individuelle Lösungen passgenau integriert werden. Das ist für KMU besonders attraktiv: keine Lizenzkosten, keine externen Datenrisiken, volle Kontrolle. Genau das ist auch der Ansatz, den wir im Projekt verfolgen.
4. Gibt es konkrete Hindernisse oder Missverständnisse, die KMU bei der Einführung von KI überwinden müssen?
Yannick Kreppein: Das größte Hindernis ist tatsächlich die Datenbasis. Die Digitalisierung wurde in vielen Unternehmen nie wirklich konsequent abgeschlossen und steckt in vielerlei Hinsicht noch in den Kinderschuhen. Handschriftliche Dokumente, unleserliche PDFs, schlecht strukturierte Scans – das alles führt dazu, dass vor dem eigentlichen Einsatz von KI-Anwendungen erst mit erheblichem Aufwand eine solide Datenstrategie entwickelt und umgesetzt werden muss. Viele Unternehmen unterschätzen diesen Schritt. KI ist kein Zauberstab, der auf chaotischen Daten funktioniert. Aber wenn diese Grundlage steht, sind die Möglichkeiten enorm.
5. Wie siehst du die Entwicklung des KI-Ökosystems in der Region Heilbronn-Franken in den kommenden Jahren?
Yannick Kreppein: Ich bin überzeugt, dass die Region Heilbronn-Franken auf einem sehr guten Weg ist. Der IPAI wird als Knotenpunkt für Expertise, Forschung, Entwicklung und Vernetzung eine zentrale Rolle spielen – er schafft einen Ort, an dem Akteure zusammenkommen und voneinander lernen können. Wenn wir es schaffen, aus dieser Dynamik heraus vollständige, direkt anwendbare Lösungen zu entwickeln, können wir viele bestehende Defizite aufholen und tatsächlich Fortschritt erzielen – nicht nur reden, sondern liefern. KMU sind dabei kein Randthema, sondern das Herzstück dieser Entwicklung.
6. Wohin glaubst du, wird die „KI-Reise" in den nächsten Jahren gehen?
Yannick Kreppein: Ich glaube, wir stehen am Anfang einer Phase, in der KI aufhört, ein Versprechen zu sein, und anfängt, echte Arbeit zu übernehmen. Multi-Agenten-Systeme werden in der Lage sein, komplexe Aufgaben autonom abzuwickeln – und zwar nicht nur in der Großindustrie, sondern zunehmend auch in mittelständischen Betrieben. Was mich dabei am meisten antreibt: Ich bin überzeugt, dass wir durch den konsequenten Einsatz lokaler Technologien und ausgereifter Open-Source-Lösungen endlich die Chance haben, uns von den großen Tech-Konzernen unabhängig zu machen. Kein Lock-in, keine Abhängigkeit von externen Plattformen, keine Datenrisiken – stattdessen individuelle, passgenaue Lösungen, die Unternehmen wirklich gehören. Für KMU ist das eine riesige Chance: erstmals können sie ein eigenes KI-Ökosystem aufbauen, das zu ihrer Realität passt – und nicht umgekehrt. Der entscheidende Schritt wird sein, diese Systeme so zu bauen, dass sie vertrauenswürdig, transparent und beherrschbar bleiben. Genau das ist auch die Kernfrage meiner Promotion.
Yannick Kreppein - Projektmitarbeiter in Business Innovation & Entrepeneurship
Yannick Kreppein studierte Wirtschaftsinformatik an der HAW Hamburg (Bachelor, 2016) und schloss seinen Master an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin ab. Seine Masterarbeit befasste sich mit datengetriebenen Geschäftsmodellen auf Basis dezentraler Gesundheitsinfrastrukturen – ein frühes Zeugnis seines Interesses an der Schnittstelle von Technologie und realem Mehrwert. Nach Stationen als Technical Project Manager bei der ePrivacy GmbH, in der Unternehmensberatung bei der BOC Group sowie im Interim-Management sammelte er erste Erfahrungen an der Hochschule Heilbronn als Projektkoordinator Innovationsstrategie, wo er u. a. das Großprojekt InduKo koordinierte.
Seit April 2024 ist er als Business Engineer für KI-Anwendungen und Doktorand in TVH 4 tätig. In seiner Promotion forscht er zu RAG-Systemen und Multi-Agenten-Architekturen mit dem Ziel, KI-Lösungen zu entwickeln, die direkt in der Unternehmenspraxis wirken.